Klinische Besserung nach therapeutischer Apherese
Clinical improvement of Long-COVID is associated with reduction in autoantibodies, lipids, and inflammation following therapeutic apheresis
Im Nachgang der COVID-19-Pandemie zeichnet sich eine beispiellose Welle postinfektiöser Komplikationen ab. Am prominentesten berichten Millionen Long-COVID-Betroffener über chronische Erschöpfung und schwere post-exertionelle Malaise. Die therapeutische Apherese wird als wirksame Behandlungsoption zur Linderung und Abschwächung der Symptome in dieser Patientengruppe diskutiert. Über die zugrunde liegenden Mechanismen und die mit dem Therapieerfolg korrelierenden Biomarker ist jedoch wenig bekannt. In verschiedenen Kohorten von Long-COVID-Patient:innen wurden spezifische Biomarker vor und nach therapeutischer Apherese analysiert. Bei Patient:innen, die nach zwei Apherese-Zyklen eine signifikante Verbesserung berichteten, zeigte sich eine signifikante Reduktion der Neurotransmitter-Autoantikörper, der Lipide und der Entzündungsmarker. Darüber hinaus wurde eine 70-prozentige Reduktion des Fibrinogens beobachtet; in der Dunkelfeldmikroskopie waren nach der Apherese die Geldrollenbildung der Erythrozyten und Fibrinfasern weitgehend verschwunden. Dies ist die erste Studie, die in dieser Patientengruppe ein Muster spezifischer Biomarker in Korrelation mit den klinischen Symptomen zeigt. Sie kann damit die Grundlage für ein objektiveres Monitoring und einen klinischen Score zur Behandlung von Long COVID und weiteren postinfektiösen Syndromen bilden. (Übersetzung des Originals)
Achleitner et al., 2023 · doi.org/10.1038/s41380-023-02084-1
Hyperbare Sauerstofftherapie — Kurzzeit-Effekte
Hyperbaric oxygen therapy improves neurocognitive functions and symptoms of post-COVID condition: randomized controlled trial
Das Post-COVID-19-Syndrom umfasst ein Spektrum persistierender körperlicher, neurokognitiver und neuropsychologischer Symptome nach SARS-CoV-2-Infektion. Zugrunde liegen können direkte virusbedingte Gewebeschäden im Gehirn oder indirekte Mechanismen wie Neuroinflammation und Hyperkoagulabilität. Diese randomisierte, sham-kontrollierte Doppelblindstudie evaluierte den Effekt der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT) bei Post-COVID-19-Patient:innen mit persistierenden Symptomen seit mindestens drei Monaten nach bestätigter Infektion. 73 Patient:innen wurden randomisiert und erhielten täglich 40 Sitzungen HBOT (n=37) oder Sham (n=36). Follow-up-Assessments erfolgten zu Baseline und 1–3 Wochen nach der letzten Sitzung. Nach HBOT zeigte sich eine signifikante Gruppe-×-Zeit-Interaktion für globale kognitive Funktion, Aufmerksamkeit und exekutive Funktion (d=0,495, p=0,038; d=0,477, p=0,04; d=0,463, p=0,05). Signifikante Verbesserungen wurden ausserdem für Energie (d=0,522, p=0,029), Schlaf (d=−0,48, p=0,042), psychiatrische Symptome (d=0,636, p=0,008) und Schmerzinterferenz (d=0,737, p=0,001) dokumentiert. Die klinischen Ergebnisse gingen mit signifikanten Verbesserungen der zerebralen Perfusion im MRT und mikrostrukturellen Veränderungen im Gyrus supramarginalis, im linken supplementär-motorischen Areal, in der rechten Insula, im linken Gyrus praecentralis, im rechten Gyrus frontalis medius und der Corona radiata superior einher. HBOT kann damit Neuroplastizität induzieren und kognitive, psychiatrische, Fatigue-, Schlaf- und Schmerzsymptome bei Post-COVID-19 verbessern. Der Effekt könnte auf erhöhter zerebraler Perfusion und Neuroplastizität in Regionen beruhen, die mit kognitiven und emotionalen Funktionen verknüpft sind. (Übersetzung des Originals)
Zilberman-Itskovich et al., 2022 · doi.org/10.1038/s41598-022-15565-0
Hyperbare Sauerstofftherapie — Langzeit-Effekte
Long term outcomes of hyperbaric oxygen therapy in post covid condition: longitudinal follow-up of a randomized controlled trial
In einer vorangegangenen randomisierten kontrollierten Studie wurden signifikante Verbesserungen kognitiver, psychiatrischer, Fatigue-, Schlaf- und Schmerzsymptome bei Long-COVID-Patient:innen nach hyperbarer Sauerstofftherapie (HBOT) dokumentiert. Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der anhaltenden Effekte über einen Zeitraum von einem Jahr. Die longitudinale Langzeit-Nachbeobachtung umfasste 31 Patient:innen mit berichteten kognitiven Symptomen nach COVID-19, die 40 tägliche HBOT-Sitzungen absolviert hatten. Die Nachbeobachtung erfolgte mehr als ein Jahr (486 ± 73 Tage) nach der letzten HBOT-Sitzung. Die Lebensqualität (erfasst mit dem SF-36-Fragebogen) zeigte im Langzeitverlauf eine ähnliche Grössenordnung der Verbesserung wie in den Kurzzeiteffekten — über die meisten Dimensionen hinweg. Bei der Schlafqualität bestanden Verbesserungen im Gesamtscore und in fünf Subdomänen mit moderaten Effektstärken, die vom Kurzzeit- zum Langzeitverlauf erhalten blieben (ES1 = 0,47–0,79). Für neuropsychiatrische Symptome (BSI-18) zeigte die Kurzzeiterhebung nach HBOT eine grosse Effektstärke, die im Langzeitverlauf fortbestand. Sowohl Schmerzstärke (ES1 = 0,69) als auch Schmerzinterferenz (ES1 = 0,83) verbesserten sich im Kurzzeitverlauf signifikant und blieben langfristig stabil. HBOT kann damit Lebensqualität, Schlafqualität sowie psychiatrische und Schmerzsymptome bei Long COVID verbessern — und die klinischen Effekte bestehen auch ein Jahr nach der letzten Sitzung fort. (Übersetzung des Originals)
Hadanny et al., 2024 · doi.org/10.1038/s41598-024-53091-3
Immunadsorption bei ME/CFS — prospektive Kohortenstudie
Efficacy of repeated immunoadsorption in patients with post-COVID ME/CFS and elevated β2-adrenergic receptor autoantibodies: a prospective cohort study
Hintergrund: Seit der Pandemie ist SARS-CoV-2 der häufigste Auslöser von ME/CFS. Hinweise sprechen dafür, dass Autoimmunität eine wichtige pathophysiologische Rolle spielt. Die Autoren evaluierten die Wirksamkeit der Immunadsorption (IA) bei Post-COVID-ME/CFS-Patient:innen. Methoden: In diese Prä-Post-Studie wurden zwischen Oktober 2022 und Oktober 2023 20 Post-COVID-ME/CFS-Patient:innen mit erhöhten β2-adrenergen Autoantikörpern (β2-AR-AB) eingeschlossen. Die mediane Krankheitsdauer betrug 22 Monate (IQR: 15–31). Die Behandlung umfasste fünf Immunadsorptions-Sitzungen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sieben Patient:innen waren männlich, dreizehn weiblich; medianes Alter: 40 Jahre (IQR: 36–51). Primärer Endpunkt war die Veränderung der Dimension „Körperliche Funktionsfähigkeit" des SF-36 (SF36 PF) von Baseline bis vier Wochen nach Immunadsorption. Leitsymptome wurden über sechs Monate fragebogenbasiert erfasst. Handgriffstärke und EndoPAT®-Messungen dienten der Beurteilung muskulärer Fatigue und vaskulärer Dysfunktion. Sieben Patient:innen, die sich nach initialem Ansprechen wieder verschlechterten, erhielten einen zweiten Zyklus. Ergebnisse: Die Therapie war überwiegend gut verträglich; das Gesamt-IgG wurde um 79 % (KI: 73–84 %), die β2-AR-AB um 77 % (KI: 58–95 %) reduziert. Der SF36 PF stieg im Mittel um 17,75 Punkte (KI: 13,41–26,16); die stärksten Verbesserungen traten zwischen Monat zwei und drei auf, die Effekte blieben bis Monat sechs signifikant. 14 von 20 Patient:innen (70 %) wurden als Responder eingestuft (Anstieg SF36 PF ≥ 10 Punkte). Zusätzlich wurden anhaltende Verbesserungen bei Fatigue, PEM, Schmerz, kognitiven, autonomen und immunologischen Symptomen berichtet. Weibliche Patientinnen zeigten nach sechs Monaten eine verbesserte wiederholte Handgriffstärke. Interpretation: Die Immunadsorption kann Symptome bei Post-COVID-ME/CFS-Patient:innen verbessern. Die positiven Effekte der IgG-Depletion sprechen für eine bedeutsame Rolle von Autoantikörpern und gestörter B-Zell-Funktion in der Pathophysiologie. (Übersetzung des Originals)
Stein et al., 2024 · doi.org/10.1016/j.lanepe.2024.101161
Metformin in der ambulanten COVID-19-Therapie
Outpatient treatment of COVID-19 and incidence of post-COVID-19 condition over 10 months (COVID-OUT): a multicentre, randomised, quadruple-blind, parallel-group, phase 3 trial
Das Post-COVID-19-Syndrom (Long COVID) ist eine neue chronische Erkrankung, die potenziell Millionen Menschen betrifft. Die Studie untersuchte, ob eine ambulante COVID-19-Behandlung mit Metformin, Ivermectin oder Fluvoxamin bald nach einer SARS-CoV-2-Infektion das Long-COVID-Risiko senken kann. Die ambulante Metformin-Behandlung reduzierte die Long-COVID-Inzidenz um etwa 41 % (absolute Reduktion: 4,1 %) gegenüber Placebo. Metformin zeigt damit einen klinischen Nutzen in der ambulanten Therapie von COVID-19 und ist weltweit verfügbar, kostengünstig und sicher. Zwischen dem 30. Dezember 2020 und dem 28. Januar 2022 wurden 6 602 Personen auf Eignung geprüft; 1 431 wurden eingeschlossen und randomisiert. Von 1 323 Teilnehmenden der modifizierten Intention-to-Treat-Population stimmten 1 126 einer Langzeit-Nachbeobachtung zu und füllten nach der Long-COVID-Erhebung an Tag 180 mindestens einen weiteren Fragebogen aus (564 erhielten Metformin, 562 Placebo; ein Teil wurde zusätzlich Ivermectin oder Fluvoxamin zugewiesen). 1 074 (95 %) der 1 126 absolvierten mindestens neun Monate Nachbeobachtung. 632 (56,1 %) waren weiblich, 494 (43,9 %) männlich; 44 (7,0 %) der Frauen waren schwanger. Das mediane Alter betrug 45 Jahre (IQR 37–54), der mediane BMI 29,8 kg/m² (IQR 27,0–34,2). Insgesamt berichteten 93 (8,3 %) der 1 126 bis Tag 300 eine Long-COVID-Diagnose. Die kumulative Long-COVID-Inzidenz bis Tag 300 lag bei Metformin-Empfänger:innen bei 6,3 % (95 %-KI 4,2–8,2), bei Placebo bei 10,4 % (7,8–12,9) (Hazard Ratio [HR] 0,59; 95 %-KI 0,39–0,89; p=0,012). Der Metformin-Effekt war über alle vorab spezifizierten Subgruppen konsistent; bei Therapiestart innerhalb von drei Tagen nach Symptombeginn betrug die HR 0,37 (95 %-KI 0,15–0,95). Für Ivermectin (HR 0,99; 95 %-KI 0,59–1,64) und Fluvoxamin (1,36; 0,78–2,34) zeigte sich keine Wirkung gegenüber Placebo. (Übersetzung des Originals)
Bramante et al., 2023 · doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00299-2
Synbiotisches Präparat bei Post-akutem COVID-19-Syndrom
A synbiotic preparation (SIM01) for post-acute COVID-19 syndrome in Hong Kong (RECOVERY): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial
Das Post-Acute-COVID-19-Syndrom (PACS) betrifft weltweit über 65 Millionen Menschen, Therapieoptionen sind jedoch rar. Ziel der Studie war die Evaluation eines synbiotischen Präparats (SIM01) zur Linderung von PACS-Symptomen. Zwischen dem 25. Juni 2021 und dem 12. August 2022 wurden 463 Patient:innen randomisiert zu SIM01 (n=232) oder Placebo (n=231) zugewiesen. Nach sechs Monaten zeigten signifikant höhere Anteile der SIM01-Gruppe eine Linderung von Fatigue (OR 2,273; 95 %-KI 1,520–3,397; p=0,0001), Gedächtnisverlust (1,967; 1,271–3,044; p=0,0024), Konzentrationsschwierigkeiten (2,644; 1,687–4,143; p<0,0001), gastrointestinalen Beschwerden (1,995; 1,304–3,051; p=0,0014) und allgemeinem Unwohlsein (2,360; 1,428–3,900; p=0,0008) gegenüber Placebo. Die Raten unerwünschter Ereignisse waren in beiden Gruppen vergleichbar (SIM01 22/232 [10 %] vs. Placebo 25/231 [11 %]; p=0,63). Als Prädiktoren für Symptomlinderung erwiesen sich Behandlung mit SIM01, Infektion mit Omikron-Varianten, Impfung vor COVID-19 und ein milder akuter Verlauf (p<0,0036). SIM01 lindert damit mehrere PACS-Symptome; die Ergebnisse haben Implikationen für das Management von PACS durch Modulation des Darmmikrobioms. Weitere Studien sind nötig, um die positiven Effekte auch bei anderen chronischen oder postinfektiösen Erkrankungen zu überprüfen. (Übersetzung des Originals)
Lau et al., 2023 · doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00685-0
Potenzial der H.E.L.P.-Apherese bei schwerem COVID-19
The potential of heparin-induced extracorporeal LDL/fibrinogen precipitation (H.E.L.P.)-apheresis for patients with severe acute or chronic Covid-19
Patient:innen mit Long COVID und akutem COVID sollten von der H.E.L.P.-Apherese profitieren, die seit 37 Jahren klinisch im Einsatz ist. COVID-19 kann eine schwere akute Multiorgan-Erkrankung auslösen und in der Folge die chronische Erkrankung Long COVID/PASC hervorrufen. Alveolargewebe und angrenzende Kapillaren zeigen eine entzündliche und prokoagulatorische Aktivierung mit Zellnekrosen, Thromben und massiven fibrinoiden Ablagerungen — unauflösbaren Mikrothromben — mit der Folge eines behinderten Gasaustauschs. Die heparininduzierte extrakorporale LDL/Fibrinogen-Präzipitation (H.E.L.P.-Apherese) adressiert diese Probleme, indem sie die gesamte Makro- und Mikrozirkulation extrakorporal unterstützt. Das eingesetzte unfraktionierte Heparin bindet das Spike-Protein und entfernt somit potenziell Virus(-bestandteile). Es löst entstehende Mikrothromben ohne Blutungsrisiko auf. Grosse Mengen Fibrinogen werden entfernt, was die Sauerstoffversorgung in den Kapillaren unmittelbar verbessert. Zusätzlich werden sowohl die Vorstufen der prokoagulatorischen als auch der fibrinolytischen Kaskade entfernt, wodurch das Hämostase-System insgesamt deeskaliert wird. Die myokardiale, zerebrale und pulmonale Perfusion sowie die koronare Flussreserve werden gesteigert; der Sauerstoffaustausch in den Kapillaren wird erleichtert — ohne Blutungsrisiko. Ein weiterer Faktor bei COVID ist der „Zytokinsturm", der die Mikrozirkulation in Lunge und weiteren Organen schädigt. Die H.E.L.P.-Apherese kann unkontrollierbare Gerinnungs- und Entzündungsaktivität abfangen, indem sie Zytokine wie Interleukin-6, Interleukin-8 und TNF-α sowie C-reaktives Protein reduziert und endo- sowie ektogene Toxine entfernt — ohne schützende IgM/IgG-Antikörper, Leukozyten- oder Thrombozytenfunktion zu beeinträchtigen. Sie kann sicher mit antiviralen Substanzen, Antibiotika, Antikoagulanzien oder Antihypertensiva kombiniert werden. Langjährige klinische Erfahrung zeigt, dass die H.E.L.P.-Apherese bei COVID-19-Patient:innen kein Schadenspotenzial aufweist. (Übersetzung des Originals)
Jaeger et al., 2022 · doi.org/10.3389/fcvm.2022.1007636